Kunden gehen fast nie wegen einer Mahnung. Sie gehen, wenn der Ton unpassend ist oder wenn nach Wochen des Schweigens plötzlich Druck kommt.
Früh und freundlich schlägt spät und förmlich. Eine Nachricht am Tag nach der Fälligkeit ist eine Erinnerung, dieselbe Nachricht nach sechs Wochen ist ein Vorwurf.
Wer regelmäßig und für alle gleich nachfasst, macht daraus einen Ablauf. Ein Ablauf ist nichts Persönliches, und genau das schützt die Beziehung.
In vielen Betrieben bleiben Rechnungen liegen, weil niemand den Kunden verärgern will. Das Ergebnis: Nach sechs Wochen kommt eine Nachricht, die anders klingen muss, weil inzwischen viel Zeit vergangen ist. Genau diese Nachricht beschädigt die Beziehung, nicht die, die man sich vier Wochen vorher gespart hat.
Der überwiegende Teil aller offenen Rechnungen ist schlicht Vergessen: untergegangen, im falschen Postfach, an die falsche Person, im Urlaub. Wer darauf freundlich hinweist, tut dem Kunden einen Gefallen. Wer wartet, bis daraus ein Problem geworden ist, macht es zu einem.
Nicht das Mahnen kostet Kunden, sondern das lange Schweigen davor.
Was den Ton trägt
Ihr Fall
Wie gehen Sie in Ihrem Fall vor?
Vier Fragen, eine Minute. Beurteilt wird nur, was Sie eingeben.
Frage 1 von 4
Wie wichtig ist Ihnen dieser Kunde?
Frage 2 von 4
Wie lange ist die Rechnung überfällig?
Frage 3 von 4
Was haben Sie bisher unternommen?
Frage 4 von 4
Wie reagiert der Kunde?
Früh. Am Tag nach der Fälligkeit ist es eine Erinnerung, nach sechs Wochen eine Auseinandersetzung.
Konkret. Rechnungsnummer, Betrag, Datum. Ohne diese drei Angaben muss der Kunde erst suchen, und das verzögert die Zahlung um Tage.
Sachlich, nicht entschuldigend. "Die Rechnung ist noch offen" ist besser als "es tut mir leid, dass ich störe". Wer sich entschuldigt, signalisiert, dass die Forderung eine Zumutung ist.
Mit einem konkreten Datum. "Bis zum 20. September" ist ein Termin, "zeitnah" ist keiner.
Ein Weg zurück. Eine Frage wie "gibt es etwas zu klären?" öffnet das Gespräch, statt es zu schließen.
Der Unterschied zwischen Konsequenz und Härte
Konsequenz heißt, dass jede Rechnung gleich behandelt wird und dass auf eine Frist etwas folgt. Härte heißt, dass der Ton schärfer wird. Das erste schützt Sie, das zweite kostet Sie Kunden. Es ist möglich, freundlich zu bleiben und trotzdem in jeder Nachricht ein konkretes Datum zu nennen.
Der Nebeneffekt eines festen Ablaufs: Der Kunde weiß, dass die Nachricht nicht gegen ihn persönlich gerichtet ist. Wer erlebt, dass bei Ihnen jede Rechnung nach vierzehn Tagen eine Erinnerung bekommt, nimmt es nicht persönlich. Wer als Einziger angeschrieben wird, schon.
Kanal und Absender
Erste Erinnerung per E-Mail. Schriftlich, unaufdringlich, für den Kunden leicht weiterzuleiten.
Zweite Stufe: anrufen. Ein Anruf klärt in drei Minuten, was ein Schriftwechsel über zwei Wochen streckt, und er ist bei guten Kunden der freundlichere Weg.
Bei Firmenkunden früh nach der richtigen Person fragen. Sehr oft liegt die Rechnung nicht bei dem, mit dem Sie gearbeitet haben.
Wenn die Beziehung wichtig ist: die ersten Stufen aus der Buchhaltung, nicht von der Person, die den Auftrag betreut. Das trennt die Sachfrage von der Zusammenarbeit.
Erst spät förmlich werden. Sobald ein Schreiben nach Anwalt klingt, ist die Zusammenarbeit meist beendet, egal wie es ausgeht.
Wenn der Kunde wirklich wichtig ist
Bei einem Kunden, der einen erheblichen Teil Ihres Umsatzes ausmacht, ist die Abwägung anders. Hier lohnt sich das persönliche Gespräch früher, und es lohnt sich, direkt zu fragen, ob es ein Problem gibt. Eine Ratenvereinbarung ist bei solchen Kunden fast immer die bessere Antwort als Druck.
Wichtig ist trotzdem, dass die Forderung nicht verschwindet. Ein wichtiger Kunde, der lernt, dass bei Ihnen nichts nachkommt, wird zum Kunden mit dauerhaft offenen Posten. Das ist die teuerste Form von Kundenbindung.
Häufige Fragen
Verliere ich Kunden, wenn ich mahne?
Nach aller Erfahrung selten wegen der Mahnung selbst. Kritisch wird es, wenn der Ton unpassend ist oder wenn nach wochenlangem Schweigen unvermittelt eine förmliche Fristsetzung kommt.
Wann ist der beste Zeitpunkt für die erste Nachricht?
Der Tag nach der Fälligkeit. Zu diesem Zeitpunkt ist es eine Erinnerung, die niemand persönlich nimmt. Je länger Sie warten, desto mehr Erklärung braucht dieselbe Nachricht.
Anrufen oder schreiben?
Erst schreiben, dann anrufen. Die erste Nachricht ist schriftlich am unaufdringlichsten. Wenn darauf nichts kommt, klärt ein Anruf in drei Minuten, was ein Schriftwechsel über Wochen streckt.
Soll ich Verzugszinsen und Pauschale ansprechen?
Bei Firmenkunden in der zweiten oder dritten Stufe ja, sachlich beziffert. In der ersten Erinnerung wirkt es unpassend, weil es die Sache größer macht, als sie zu diesem Zeitpunkt ist.
Wie halte ich es bei einem sehr wichtigen Kunden?
Früher persönlich sprechen und direkt fragen, ob es ein Problem gibt. Eine Ratenvereinbarung ist hier meist besser als Druck. Die Forderung darf trotzdem nicht stillschweigend verschwinden.